Protest am 22.9.

Am 22.9.2007 war das Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus wie angekündigt in der gesamten Innenstadt vertreten. Das erklärte Ziel war, durch konzentrierte Aktionen dafür zu sorgen, dass ein angekündigter Umzug mit Rechtsextremen nicht durch die Dürener Innenstadt laufen kann. Das angepeilte Ziel wurde in vollem Umfang erreicht: Die Dürener Bürger wurden im Kern der City nicht durch Rechtsextreme belästigt.

Der angekündigte Umzug konnte zwar stattfinden, wurde aber aufgrund der Aktionen des Dürener Bündnis um die Innenstadt herum gelegt. Als Gegenaktion fand dabei von ca. 10h bis 11h ein Demonstrationszug statt, den die Antifa-Düren organisierte. Ursprünglich mit rund 700 Teilnehmern wuchs der Demo-Zug bis zum Ende laut Polizeiangaben auf ca. 1200 Teilnehmer an, die sich spontan dem Umzug anschlossen.

Zusätzlich zu dem Umzug organisierten weitere Bündnis-Mitglieder in der gesamten Innenstadt verschiedene Stände mit Aktionen und Informationen:

  • Kaiserplatz, vor dem Rathaus: Aktionen der Dürener Schulen und der SV: Dürener Schulen setzen ein Zeichen gegen Rechtextremismus und Fremdenfeindlichkeit!
  • Ahrweilerplatz, an der Annakirche: Katholische Kirche: Jugendliche aus den verschiedenen Jugendfreizeitheimen: Asphaltstock schießen, Tanzgruppen, Medienbus, Fußball und vieles mehr! amnesty international und pax christi mit Info- Ständen!
  • Wirteltorplatz: Grüne und Grüne Jugend: Malwettbewerb “ Bunt statt Braun“, Popcorn für alle!
  • Kuhgasse: CDU: Spielen Sie Tennis gegen Rechtsextremismus und Gewalt!
  • Kölnstrasse: SPD: Luftballon- Aktion „Rote Karte gegen Rechts“ und Musikgruppen spielen auf!
  • ebenfalls in der Kölnstraße: Gewerkschaften: „1000- Gesichter-gegen- Rechts“ eine Foto- Aktion!
  • Peter- Beier- Platz, direkt an der Christuskirche: Evangelische Kirche: verschiedene Musikgruppen: Trommeln, Posaunen, Stimmen: Alles was Odem hat: gegen Rechts!

Die Resonanz an den Bündnis-Ständen war nach ersten Rückmeldungen sehr groß. Die Bürger an den Ständen waren erfreut, dass sich Widerstand regt und man eine bunte Stadt vorgefunden hat: So gab es neben den zahlreichen Aktionen des Bündnis weiterhin den „Autofreien Tag“ mit verschiedenen Aktionen und Ständen (weswegen die Innenstadt teilweise für Autos gesperrt war) und es fand der Wochenmarkt statt. Die gesamte Innenstadt bot somit für die Vielzahl von Menschen ein buntes Treiben und ein abwechslungsreiches, friedliches Einkaufserlebnis, ohne Störungen von Rechtsextremen. Dieses große Interesse passt auch zu der Entwicklung der Zugriffe auf die Bündnis-Webseite, die sich in den letzten Tagen verfielfacht haben.

Besonders gefragt waren von den Bürgern Anstecker und Aufkleber gegen Rechtsextremismus: Bereits gegen 12h vermeldeten die Stände des Bündnisses, dass die mehreren hundert Buttons restlos verteilt wurden. Insgesamt setzten somit die Dürener Bürger, nicht zuletzt durch das vielzählge Tragen der Buttons gegen Rechtsextremismus die überall in der City ins Auge fielen, ein starkes Zeichen für Toleranz und Demokratie.

Kommentare der Presse zum 22.9.

Spezial: BILD-Berichterstattung
Der ein oder andere hat vielleicht in der BILD einen Artikel zum 22.9. gelesen und sich gewundert, dass dort derart abweichende Angaben zu finden sind. Das Bildblog hat dies netterweise aufgegriffen, auch Hr. Klarmann berichtet.

Weiterführende Links:

Einige erste Fotos vom 22.9.:

[mygal=-protest-am-22-9-2007]

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NPD will Schulhöfe mit Hetzschriften überfluten

Der Spiegel warnt heute in seiner Online-Ausgabe davor, dass die NPD eine „Flutung“ von Schulhöfen bundesweit plant. Auch wenn bereits Aktionen schwerpunktmäßig in Sachsen angelaufen sind, sollen weitere Bundesländer in der Vorbereitung sein. Der Spiegel warnt ausdrücklich vor dem Material, dass optisch auf junge Konsumenten ausgelegt sein soll:

Auf den ersten Blick sieht sie aus wie ein Rätselblättchen für Kinder. Ein buntes Werbe-Heftchen, das viele Firmen vor zehn, fünfzehn Jahren gern an die Kinder ihrer Kunden verteilt haben. Auf den zweiten Blick erkennt man schnell, was „Perplex – Jugendzeitung für Sachsen“ tatsächlich enthält: braune Propaganda.

Das Dürener Bündnis hat für den Bereich „Jugend und Schule“ einen eigenen Arbeitskreis eingerichtet, der sich speziell hier mit Aktionen und Aufklärung einsetzt.

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Vortrag „Das braune Netz in der Region Düren/Aachen“

Am 19.9.2007 um 19.00 Uhr hat im Evangelischen Gemeindezentrum Langerwehe der angekündigte Vortrag von Hr. Klarmann zum Thema „Das braune Netz in der Region Düren/Aachen“ stattgefunden.

Mit großem Interesse folgten viele Bürger, nicht nur aus Langerwehe, der Einladung sich über die Strukturen der rechtsextremen Organisationen in unserer Region zu informieren. Laut Polizei sollen um die 100 Teilnehmer vor Ort gewesen, womit die Veranstaltung rein Zahlenmässig schon an den Erfolg unseres Infostandes kurze Zeit vorher in Langerwehe anknüpft.

Der zweistündige Vortrag stieg bei den aktuellen Aktionen der rechtsextremen Szene in unserer Region ein, vermittelte den Zusammenhang der verschiedenen Strukturen und stellte ausgewählte Personen vor. Besonders die verschiedenen, teils unbekannten, Symbole und die eigene Sprache der Szene wurden den Zuhörern erläutert. Mitunter für Erstaunen sorgte dabei die Tatsache, dass viele Bilder, insbesondere was das äussere Erscheinungsbild von Rechtsextremen angeht, überholt sind. Speziell das Thema „Rechtsexreme Musik / Rechtsrock“ wurde mit eindrucksvollen Beispielen behandelt.

Die Gemeinde Langerwehe wurde ebenfalls als eigener Punkt besprochen, speziell in der anschliessenden Fragerunde kamen viele Fragen zur Thematik in der Gemeinde von den Bürgern auf und wurden im Detail besprochen. Dabei wurde bekannt, dass der Rat der Gemeinde demnächst über den Beitritt zum Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus beraten wird.

Zu Herrn Klarmann
Michael Klarmann. Seit Mitte 2000 frei schaffender Journalist in Aachen. Artikel, Glossen, Kolumnen, Kurztexte in Print- und Onlinemedien. Redaktioneller Mitarbeiter bei Stadt- und Musikmagazinen, Fachzeitschriften und Tageszeitungen. Fotoarbeiten seit Ende 2001 mit Nikon Coolpix 995 und derzeit mit Canon EOS 300 D. Video-Dokumentationen (und selten Fotos) auch mit Panasonic NV-GS320. Zudem als Referent zur lokalen Neonazi-Szene tätig.

Weiterführende Links:

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Fotoaktion gegen Ausländerfeindlichkeit

Nach wie vor läuft die Große Foto-Aktion „Fußballmannschaften gegen RECHTS“. In dieser Aktion können sich Junioren- und Seniorenteams aus dem Bereich Mittelrhein fotografieren lassen und sich so gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass stellen. Ein Mitarbeiter der Initiative kommt nach Terminabsprache mit der interessierten Mannschaft zu deren Spielen oder zum Training und erstellt ein Foto mit dem bekannten Transparent gegen Ausländerfeindlichkeit.

Dieses Foto wird dann auf der Internet-Seite der Initiative „FUSSBALLVEREINE GEGEN RECHTS (www.fussballvereine-gegen-rechts.de) und im Dürener Internetportal (http://www.1dn.de) veröffentlicht. Auch wird es an die lokale Presse weitergegeben.

Bisher haben Mannschaften aus folgenden Vereinen teilgenommen: SG Vossenack/Hürtgen (Jugend und Senioren), Alemannia Straß (1. Mannschaft), Viktoria Arnoldsweiler (1. Mannschaft und A-Junioren), FC Düren-Niederau (C-, B- und A-Junioren), SV Niederzier (1.Mannschaft), Borussia Jakobwüllesheim (Juniorinnen), SV Stolberg (Juniorinnen), Vereinigter Türkischer SV (A-Junioren), Alemannia Lendersdorf (D-Junioren), Schwarz-Weiß Düren (D-Junioren), Viktoria Schlich (2. Mannschaft), SV Huchem-Stammeln (2. Mannschaft), SV Pingsheim (A-Junioren), VfvuJ Winden (A-Junioren). Auch der Stützpunkt des FVM der Juniorinnen und das Sommercamp Juniorinnen in Nörvenich haben sich für diesen Zweck ablichten lassen.

Interessierte Mannschaften aus dem Junioren- oder Seniorenkreis melden sich bitte unter 02421-81439 oder unter der Mail-Adresse gegen.rechts@arcor.de zwecks Terminabsprache.

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Studien zum Rechtsextremismus

Sie finden hier vier mitunter sehr umfangreiche Studien, die sich mit dem Thema Rechtsextremismus auseinandersetzen. Es sind die zur Zeit wohl am häufigsten zitierten Studien, daher habe ich dazu einen Artikel geschrieben, um jedem Besucher der Seite selber einen Blick zu ermöglichen.

Die erste Datei, „Grenzen lokaler Demokratie“ beschäftigt sich mit der Frage, wie Rechtsextreme vor Ort in Gemeinden auftreten und wie man dem begegnen kann. Hierbei handelt es sich um eine Zusammenfassung der ursprünglichen Studie, die zu umfangreich war. Das jetzt vorliegende Papier kann sehr gut als Maßnahmenkatalog dienen. Dabei bietet diese Studie sehr interessante Einblicke, so unter anderem zur Bedeutung von Bürgermeistern:

Den Ansatzpunkt dieser These stützen in den beiden Fallstudien sowohl die Berichte über Aktivitäten vor der Beteiligung kommunaler Verwaltungsspitzen als auch die Berichte über solche Aktivitäten, seitdem die Bürgermeister sie demonstrativ unterstützen und sich sogar selbst an ihnen beteiligen. Fazit dieser Berichte war einhellig, dass ohne die Beteiligung des jeweiligen Bürgermeisters diese Aktivitäten kaum Unterstützung in den Gemeinwesen erfuhren. Erst durch die Beteiligung des Bürgermeisters haben die Initiativen überhaupt irgendeine Form von öffentlicher Anerkennung erfahren und Handlungsfähigkeit erlangt. Relevante Bevölkerungsteile unterstützten Aktionen gegen die Naziszene erst, nachdem sich die lokalen Autoritäten bereits entsprechend positioniert hatten.

Bei der zweiten Datei, „Vom Rand zur Mitte“ handelt es sich um ein sehr oft besprochenes und zitiertes Papier der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), dass sich mit der Verankerung rechtsextremen gedankenguts in der Bevölkerung auseinandersetzt. Der folgende Absatz aus diesem Papier macht die Brisanz deutlich: 

Rechtsextreme Einstellungen sind durch alle gesellschaftlichen Gruppen und in allen Bundesländern gleichermaßen hoch vertreten. Wir haben festgestellt, dass der Begriff „Rechtsextremismus“ irreführend ist, weil er das Problem als ein Randphänomen beschreibt. Rechtsextremismus ist aber ein politisches Problem in der Mitte der Gesellschaft.
Das kann nicht ausdrücklich genug betont werden. Der Begriff des Rechtsextremismus ist für die politische Analyse offensichtlich zu ungenau. Dies zeigt sich sehr deutlich in den Zustimmungswerten zu einzelnen Aussagen, bei denen teilweise über 40 % der Befragten zustimmen konnten. Aber auch auf den Skalen und bei einer Beschränkung auf geschlossene Weltbilder werden sehr hohe Werte erreicht.
In den Dimensionen des Rechtsextremismus zeigten Ausländerfeindlichkeit und Chauvinismus die höchsten Zustimmungswerte. Dies gilt sowohl für die Gesamtbevölkerung als auch bei der Betrachtung der relevanten Untergruppen. Es folgt der Antisemitismus als ein sehr bedeutsames Merkmal rechtsextremer Einstellung, das immerhin von fast jedem zehnten Deutschen geteilt wird. 

Die Abhandlung „Rechtsextremismus in Deutschland“ von der Konrad-Adenauer-Stiftung vermittelt einen Einblick in Begrifflichkeiten und Entwicklung der Rechtsextremen-Bewegung in Deutschland. Dabei ist leider festzuhalten, dass das Fazit der Abhandlung stark verharmlosend wirkt, da man dort aussagt, die Erfolge in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern sollten nicht überbewertet werden. Die etwas ältere Abhandlung vernachlässigt dabei die in Niedersachsen erstarkende Rechte sowie Bewegungen in Sachsen-Anhalt. Kritisch muss dabei betrachtet werden, ob man rechtsextreme Vertreter in gleich zwei (von 16) Landtagen ernsthaft noch als „nicht so schlimm“ betrachten darf. Dennoch bietet, abgesehen von dieser Kritik, das Papier einen guten Einstieg in das Thema.

Das Werk „Die NPD in den kommunalen Parlamenten Mecklenburg-Vorpommerns“ bietet eine Betrachtung der „Arbeit“ bzw. Präsenz der NPD in den kommunalen Vertretungen MVs. Dabei werden Hintergründe, vor allem Vor-Ort-Strukturen, aufgezeigt und in einer Analyse angeboten. Das sehr umfassende Werk bietet auch Inhalte zum allseits beliebten „Ignorieren“ der Rechtsextremen, speziell was die Arbeit in Parlamenten angeht, daraus:

Eine solche Umgangsweise kann sogar soweit betrieben werden, dass der Sitzungssaal verlassen wird, sobald ein NPDler das Wort ergreift. Die Strategie des Ignorierens hat sicherlich den Vorzug, dass sie einer relativ einfachen Grundregel folgt. Als best practice kann sie freilich nur sehr bedingt empfohlen werden. Punktuell eingesetzt kann das Verlassen des Raumes, nur weil ein NPDler das Mikrophon ergreift, zwar eine gewisse symbolische Wirkung erzeugen; ein ständiges Verlassen des Sitzungssaales verliert jedoch an symbolischer Überzeugungskraft und wirkt langfristig gesehen eher lächerlich. Zudem lässt ein solches Verhalten leicht den fatalen Eindruck entstehen, die NPD hätte es mit wehrlosen Demokraten zu tun.

Die Dateien zum Download:

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Juristische Probleme mit Material

Im Strafgesetzbuch gibt es mehrere Paragraphen, die den Schutz vor rechtsetxremistischer Propaganda vor Augen haben. Die bekanntesten sind die §§86, 130 StGB: Verbreiten von Propagandamitteln (§86 StGB) und Volksverhetzung (§130 StGB).
Für den aktiven Demokraten kann sich dabei mitunter die Frage stellen, ob er sich selber strafbar macht, etwa wenn er Material mit rechtsextremem Hintergrund verbreitet – wohl aber zur (internen) demokratischen Information, etwa um auf eine bevorstehende Aktion hinzuweisen.

Besonders populär war hier die langwierige Geschichte zur Frage, ob auch durchgestrichene Hakenkreuze und andere Anti-Nazi-Symbole nicht verbreitet werden dürfen. Der BGH (AZ: 3 StR 486/06) hat dies inzwischen endgültig abgehandelt und klar geurteilt, dass Anti-Nazi-Symbole, die naturgemäß in irgendeiner Form ein Nazi-Symbol beinhalten, generell kein Problem darstellen:

Nunmehr hat er entschieden, dass der Gebrauch des Kennzeichens einer verfassungswidrigen Organisation auch dann nicht von § 86 a StGB erfasst wird, wenn bereits der Inhalt der Darstellung in offenkundiger und eindeutiger Weise die Gegnerschaft zu der Organisation und die Bekämpfung ihrer Ideologie zum Ausdruck bringt. Dies gilt selbst dann, wenn solche Artikel aus kommerziellen Interessen massenhaft vertrieben werden. Die Befürchtung des Landgerichts, rechtsextreme Personen könnten diese Lockerung des Verbots ausnutzen und ihrerseits derart abgeänderte Kennzeichen verwenden, hat der Senat nicht geteilt.

Dies ist sicherlich einleuchtend, doch wie sieht es aus, wenn man z.B. einen dieser bekannten Aufkleber entfernt und zu einem Arbeitskreis mitbringt? Oder einen rechtsextremen Flyer an Mitglieder eines Arbeitskreises versendet, ist dies nicht etwas anderes? Jedenfalls die §§86, 130 StGB sprechen wertungsfrei nur von einem „verbreiten“, die Absicht an sich spielt erstmal keine Rolle und es ist fraglich, inwieweit man in diesem Fall über den Vorsatz eine entsprechende Lösung finden könnte.

Der Gesetzgeber hat dies glücklicherweise schon bedacht und deswegen im §86 III StGB eine Ausnahmeregelung aufgenommen:

Absatz 1 gilt nicht, wenn das Propagandamittel oder die Handlung der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient.

Und eben diese Ausnahmeregelung findet sich auch im §130 V StGB, der auf den §86 III StGB verweist.

Fazit: Wer sich aktiv für die Demokratie einsetzt und über den Rechtsextremismus aufklären möchte, der kommt unweigerlich irgendwann mit entsprechenden Schriften in Berührung. Jedenfalls im internen Kreis wäre eine aktive Arbeit gegen sowie Aufklärung über den Rechtsextremismus auch gar nicht vorbereitend möglich, wenn man sich nicht gegenseitig Kenntis aktueller Geschehnisse vermitteln könnte. Der Gesetzgeber wusste dies und hat deswegen eben jene Ausnahmeregelung geschaffen, so dass aktive Demokraten auch wirkilch arbeiten können. Ohne Angst vor mißbräuchlichen Strafanzeigen.

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Mythos Mügeln

Über das kleine Städtchen Mügeln war in der Vergangenheit leider viel zu lesen und zu hören – nun ist festzustellen, dass zunehmend – auch vor Ort hier in Düren – auf der Strasse verbreitet wird, die Vorfälle in Mügeln hätten „laut Staatsanwaltschaft/Polizei keinen rechtsradikalen Hintergrund“ und es wären ja auch mehrere (mindestens zwei) der verfolgten Inder inzwischen festgenommen worden, was die Aussage noch bekräftigen soll. Dies ist schlicht falsch, einige aktuelle Hintergrund-Infos.

In der Presse kann (u.a. bei der SZ-Online) nachgelesen werden, dass man momentan dahin tendiert, eine Hetzjagd abzulehnen. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund aber wird keinesfalls abgelehnt, sondern ganz besonders von der Staatsanwaltschaft betont. Dabei ist Fakt, dass bereits gegen 12 Verdächtige wegen verschiedener Delikte wie Volksverhetzung und Landfriedensbruchs ermittelt wird.
Die falsch zitierten Aussagen der Staatsanwaltschaft hier einmal aus der SZ:

Nach der Vernehmung von 125 Zeugen bewertet die Staatsanwaltschaft Leipzig den Angriff auf acht Inder im sächsischen Mügeln unter juristischen Gesichtpunkten nicht als Hetzjagd. Es gebe keine Anhaltspunkte, dass vom Festzelt des Stadtfests bis zur schräg gegenüberliegenden Pizzeria eine solche Jagd stattgefunden habe, teilte die Behörde am Freitag mit.

Auch Anhaltspunkte, dass „die Ereignisse insgesamt auf einem geplanten und organisierten rechtsextremistischen Hintergrund beruhten, haben sich nicht ergeben“. Allerdings sei es vor der Pizzeria zu „eindeutig fremdenfeindlichen Äußerungen Einzelner“ aus einer Menschenmenge heraus gekommen.

Die Aussage, dass es sich nicht um einen „geplanten und organisierten Hintergrund“ handelt, passt in dieses Bild: Das heisst nichts anderes, als dass es sich hier um eine spontane vor Ort entstandene Bewegung handelt. Ob dies nun weniger gefährlich ist als die geplante Verfolgung ist durchaus fraglich und sollte auf keinen Fall so dargestellt oder aufgenommen werden.

Weiterhin ist zur Zeit der Stand der Dinge, dass einer der acht verfolgten in der Tat von einem Besucher des Festes angezeigt worden ist, weil er diesen mit einer abgebrochenen Flasche verletzt haben soll. Dieser Anzeige geht die Staatsanwaltschaft nach. Gleich ob die Vorwürfe stimmen oder nicht: Mit den Vorfällen haben sie nichts zu tun und sind weder geeignet, noch ist es angebracht, das Geschehene damit zu verharmlosen.

Es sei noch einmal das Fazit des Abends in Mügeln aufgezeigt: 8 Menschen wurden in einem Dorf verfolgt, es gab insgesamt 14 Verletzte, 13 Ermittlungsverfahren und die Tatsache, dass erst ein Grossaufgebot der Polizei die Ausschreitungen verhindern könnte. Und all dies, unstreitig, vor einem fremdenfeindlichen Hintergrund. Grund genug sich dem zu stellen und nicht nach Strohhalmen zu suchen, um dies zu verharmlosen – weder in Mügeln, noch hier in Düren.

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Umgang mit Bedrohungssituationen

In den eingehenden Links zu dieser Webseite habe ich einen guten Artikel von Tobias zum Thema „Umgang mit Bedrohungssituationen“ gefunden. Beschrieben werden sozusagen die „Basics“ der Vorbereitung auf unangenehme Situationen persönlicher Konfrontation. Absolutet Lesenswert, hier zu finden.

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Info-Stand in Langerwehe

Am 8.9.2007 fand ein Info-Stand des Bündnis gegen Rechtsextremismus in Langerwehe statt. Organisiert wurde er von einer Gruppe ortsansässiger Bündnis-Mitglieder, die als „Aktionskreis Langerwehe“ zielgerichtet vor Ort aktiv sind.

Der Stand wurde gegen 9.30h auf- und um ca. 14h wieder abgebaut. Fast durchgängig waren dabei um die 40 Personen am Stand anwesend, insgesamt wurden etwa 100 interessierte Bürger mit Informationen und Material versorgt.
Beim Aufbau des Standes fielen den Helfern direkt mehrere Aufkleber mit hetzerischem Inhalt ins Auge, die quer über den Marktplatz hinweg, wohl in der Nacht zuvor, geklebt wurden. Die Aufkleber wurden von den Aktiven, als es auf das Ende des Stands zuging, so gut es ging entfernt. Ein Bürger äusserte spontan, er werde Stranantrag stellen, die Polizei vor Ort nahm sich einen entfernten Aufkleber direkt mit.

Insgesamt gibt es nur Positives zu berichten: Viele Bürger haben, aus Eigeninteresse heraus, den Weg zum Stand gesucht und sich nicht nur mit Material versorgt, sondern offensichtlich die Zeit genutzt, um mit ihrer Präsenz ein Zeichen gegen den Rechtsextremismus zu setzen. Vielfach wurde die Gelegenheit genutzt, um sich mit Vertretern vor Ort über aktuelle Geschehnisse und Zusammenhänge auszutauschen.
Die Standbesucher selber wurden mit Kaffee und zur Mittagszeit mit Pizzabrötchen (samt Kräuterbutter) versorgt, was nicht nur dabei half, noch etwas länger auszuhalten, sondern auch dem gleichzeitig einsetzenden (kurzen) Regen zu trotzen.

Von dem ausgelegten Info-Material ging ein bedeutender Teil an die Passanten. Besonders gefragt war dabei der Comic gegen Rechtsextremismus des Innenministeriums „Andi“ sowie die vom Aktionsbündnis Langerwehe selbst entworfenen Flyer zum Thema „Kein Tolerieren durch Ignorieren“ (Hier als PDF). Es wurden zudem Werke aus der Gemeindebücherei Langerwehe zum Thema ausgestellt: Die Gemeindebücherei bietet für alle Altersklassen ansprechende Literatur rund um das Thema Rechtsextremimus, mit entsprechendem Interesse wurden ausgestellte Werke auch von den Besuchern zur Kenntnis genommen.
Ausdrücklich wurde nochmals für den am 19.9.2007 geplanten Vortrag von Hr. Klarmann in Langerwehe sowie die Webseite des Bündnis gegen Rechtsextremismus geworben.

Bildstrecke

Gruppenfoto

Gruppenfoto vom gut besuchten Stand, zur Mittagszeit rum. Der Stand war an der vorderen rechten Ecke des Makrplatzes platziert und gleich von mehreren Bannern gesäumt.

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Für allgemeine Erheiterung sorgten die gut 150 Pizza-Brötchen der ansässigen Pizzeria (samt Kräuterbutter), die trotz aufziehenden Regens die Menge bei Laune hielten

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Keine Chance zum Ignorieren: Der Marktplatz war bei der Ankunft gepflastert von Aufklebern mit hetzerischem Inhalt. Nach der Kundgebung wurden die Aufkleber in einer Säuberungsaktion so gut es ging entfernt. Ganz bewusst wurden die Aufkleber erst nach dem Abhalten des Info-Standes entfernt, um den Passanten eindrücklich zeigen zu können, wie das Strassenbild aussehen kann, wenn man nicht aktiv ist.

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War doch nur Papier

In der Online-Ausgabe des Spiegel (SPON) ist heute ein interessanter Artikel zum Dorf Pretzien, ein Jahr nach den rechtsextremen Vorfällen dort, zu finden. Das Ganze als „Fallanalyse“ zu bezeichnen wäre erheblich zu hoch gegriffen – doch gibt es einen kurzen und griffigen Einblick in das, was geschieht, wenn man die „Dörfliche-Wegsehen-Taktik“ fährt:

Viele Dorfbewohner verstehen die ganze Aufregung über die Bücherverbrennung ohnehin nicht: Vor „dieser Sache“ sei alles in Ordnung gewesen, erst danach sei es schlimm geworden, sagt ein Rentner vor dem Dorfkiosk.

„Wurde doch niemand verletzt, war doch nur Papier.“

Hier ist der Artikel zu finden.

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