„5 vor 12 – Zeit für Demokratie“ am 30.03.2023

In der Rückschau erscheint bereits das Jahr 1932 als das Jahr des Scheiterns der Weimarer Republik: die NSDAP fährt erhebliche Stimmengewinne ein (+19 Prozent auf 37 Prozent), die SPD-Regierung in Preußen wird mit der Billigung Hindenburgs abgesetzt und im Hinterzimmer loten Barone aus, wie man die Nazis am besten “einrahmen” könnte. Doch die damaligen Demokraten gaben noch nicht auf, nein, sie kämpften leidenschaftlich für die Demokratie. Ein Schriftsteller tat sich dabei besonders hervor: Heinrich Mann, wohl einer der aufrichtigsten und engagiertesten Demokraten der Weimarer Republik. Anders als sein Nobelpreisträger-Bruder Thomas schwieg Heinrich nicht über die Nazis und ihre, Zitat, “eklatante Dummheit”. Damit zog er den Hass der Nazis auf sich und musste ins Exil. Bei der ersten Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 schrie der Nazi-Clown Goebbels zu Beginn: “Ich übergebe dem Feuer die Schriften von Heinrich Mann.”

Heinrich Mann hat Weimar bis zuletzt nicht aufgegeben und tourte 1932 geradezu durch Deutschland, hielt Reden für die Demokratie und gegen die Nazis. Eine davon, sie erscheint aktueller denn je, möchte ich hier, in leichter Bearbeitung, vorlesen. 

“Während des ganzen 19. Jahrhunderts sind Freiheiten und Rechte verkündet und gelehrt, erworben und erkämpft, verteidigt, verloren und wiedererrungen worden. Ihr Wert ist bezeugt durch die Anstrengungen vieler Geschlechter, durch die Erkenntnisse der Denker, die Zustimmung aller, durch unendliche Begeisterung und nie zu vergessene leiden. Die Ziele, nach denen unsere Vorfahren und noch wir selbst unser ganzes sittliches Leben gerichtet haben, sind besonders folgende: 

1. Die nationale Freiheit. Sie umfasst zuerst und vor allem die Sicherung der Nation gegen innere Vergewaltigung. Das ist der immer gültige Begriff der nationalen Freiheit. Dagegen hat die nationale Unabhängigkeit nach außen einen Sinn, der niemals auch nur 50 Jahre derselbe bleibt. Bayern stand früher in Deutschland unabhängiger da, Deutschland früher in Europa.
2.  Die Freiheit des Einzelnen. Sie bedeutet zweierlei: der einzelne unterliegt keiner Willkür; und der darf tun, was ihn beliebt, soweit er keinen anderen schädigt.
3.  die Gleichheit vor dem Staat und vor dem Gesetz. Vor dem Staat gibt es nur Staatsbürger, keine Klassen, Parteien, Nationalitäten. Das Gesetz kennt nur Rechtssuchende, keine Klassen, keine Parteien, Nationalitäten.
4.  die Mitbestimmung im Staat und im Gesetz vermittels des passiven und des aktiven Wahlrechts.
5.  das Recht und die Freiheit der Meinungen, sich öffentlich zu äußern in Wort, Schrift, Darstellung, Kundgebungen.
6.  die Freiheit der Forschung und ihrer Lehre.
7.  die Freiheit der Kunst und ihrer Darbietung.
8.  die sozialen Rechte. das Recht der wirtschaftlich Schwachen sich zusammen zuschließen, der Kinder, geschont zu werden, der Kranken, gepflegt zu werden, der Greise, nicht zu verhungern, der Erwerbslosen, zu wohnen und zu essen.
9.  das Recht auf Leben als Grundlage aller Rechte und Freiheiten. Das Recht der Gesellschaft auf ihre Gesittung, das Recht des Einzelnen, gesichert in ihr zu leben.

All dies ist lebensfördernd, wie jeder Mensch mit gesunden Sinnen sofort bemerkt. Es ist gemeint als fruchtbare Gegenwirkung gegen die zerstörenden, verneinenden Kräfte: Krieg, Unterdrückung, Ausbeutung, Entwürdigung des Menschen, Nichtachtung des Lebens. Wirklich und endgültig erreicht wurde dies alles nie. Denken wir nur an die sozialen Rechte, die zuletzt doch dahin führen sollten, daß es keine Überreichen und keine ganz Armen mehr gibt! Das ist nicht erreicht. Aber das Leben muß täglich erobert werden, damit man es nicht verliert, und so auch die Freiheiten und Rechte. Es sind, da sie so viel Kampf verlangen, viel eher Pflichten und Gebundenheiten. Die ganze Demokratie, als genaues Abbild des Lebens, ist im Grunde Pflicht und Gebundenheit. Das fängt an mit dem Gebot, das Leben der anderen zu achten, und endet mit dem Anspruch an jeden einzelnen, zu denken, die Gesellschaft zu begreifen und verantwortungsvoll an ihr mitzuarbeiten.
Die Demokratie ist eine Schule mit so vielen Klassen, so vielen Prüfungen, wie das Leben selbst. Nicht jedes Volk erreicht und besteht alle, und innerhalb des einzelnen Volkes sind immer eine gewisse Anzahl Schüler ausgesprochen schlecht. Es kommt nicht überall und nicht alle Tage vor, daß die Zurückgebliebenen gleich die Schule in Brand stecken möchten. Aber so ist es heute in Deutschland. Sie möchten brandstiften, um nicht lernen zu müssen, und inzwischen grölen sie, treiben Unfug und vergreifen sich tätlich an “politischen Gegnern”, wenn dumme Jungen überhaupt politische Gegner haben könnten.
Die faulen Schüler grölen im Sprechchor: “Wir scheißen auf die Freiheit!” Allerdings. Diese körperliche Fähigkeit bleibt ihnen immer noch übrig, wenn sie für alles andere zu unbegabt und zu pflichtvergessen sind. Ihr Redner im Rundfunk verkündet patzig: “Das intellektuelle Denken lehnen wir ab!”
Ihr einziger Ehrgeiz ist: Note eins im Turnen. Schritt und Tritt, Grüßen, Griffe, Sprechchöre, Kommandos und blindes Gehorchen: damit, glauben sie, ist es zu schaffen. Das genügt aber nicht; sondern wenn man in allem anderen schlecht ist, fliegt man eines Tages aus der Schule. Dies steht vollkommen fest. Die Schule bleibt, und die Unfähigen fliegen.
Die Demokratie ist eine befestigte, nie mehr aus der Welt zu entfernende Tatsache. Sie ist das Leben selbst, auf der Stufe, die nun einmal erreicht ist. Die Faschisten sind auch nur Demokraten. Sie begehen bloß die alberne Verwechslung, sich selbst für die alleinigen Nutznießer der Demokratie zu halten – nur Rechte, keine Pflichten. Man hat sich aber zu fügen.  Man hat die Freiheiten und Rechte zu erwerben durch Erlernung der Pflichten und Gebundenheiten. Ließe ein ganzes Volk, z.B. das deutsche, sich von den schlechten Lebensschülern verleiten, dann würde es leider solange Schläge bekommen vom Leben und von der Welt, bis es endlich in der untersten Klasse von vorn wieder anfangen müßte zu lernen. Mehr wäre nicht gewonnen!
Aber die vernünftigen und brauchbaren Lebensschülern sind in Deutschland die Stärkeren. Sie werden dafür sorgen, daß uns das Schlimmste erspart bleibt.”

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Bericht über die Mitgliederversammlung des Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt

Am Dienstag, den 19.03.2024 hatte das Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt für 18 Uhr zur Mitgliederversammlung in die Marienkirche in Düren eingeladen. Ungefähr 50 Bündnismitglieder waren der Einladung gefolgt. Gunter Derichs vom Sprecherkreis berichtete über die Aktivitäten der letzten Jahre. Themen, wie Veranstaltungen zur Situation der Vereinnahmung rechter Gruppen bei den Montags- demos von Coronagegnern, Filmvorführungen des Films „bis Weihnachten – vielleicht!“, Kundgebung für den Erhalt unserer Demokratie, die Verteilung von „Bänken gegen Aus- grenzung“ an alle Städte und Gemeinden im Kreis Düren wurden angesprochen. Karl Panitz und Laura Franke berichteten über den Stand des Projektes „NRWeltoffen“, das das Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt und der Kreis Düren gemein- sam durchführen. In dem Projekt wurde ein regionales Handlungskonzept gegen Rechtsextremismus und Rassismus erstellt und umgesetzt. Aktuell soll dieses Handlungs- konzept überarbeitet werden und den veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden. Jo Ecker berichtete über seine Initiative „Fußballvereine gegen Rechts“. In der anschließenden Aussprach wurden die Veranstaltungen „5 vor 12 – Zeit für Demokratie“ von den Anwesenden gelobt und es gab auch eine konstruktive Diskussion zu diesen Veranstaltungen.

Es wurde in der Mitgliederversammlung auch der Sprecherkreis neu gewählt. Dem Sprecherkreis des Dürener Bündnisses gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt gehöre jetzt an: Marliese Gier, Judith Hages, Inge Schumacher, Saffet Akkas, Gunter Derichs, Jo Ecker, Karl Panitz, Lukas Pazzini und Bettina Döring.

Das Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt lädt weiterhin herzlich für die kommenden Samstage zur Zusammenkunft „5 vor 12 – Zeit für Demokratie“ vor dem Rathaus an der „Bank gegen Ausgrenzung“ ein.

Sprecherkreis des Dürener Bündnisses gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt (von links: Bettina Döring, Inge Schumacher, Gunter Derichs, Marliese Gier, Judith Hages, Saffet Akkas, Karl Panitz und Jo Ecker. Es fehlt Lukas Pazzini)

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„5 vor 12 – Zeit für Demokratie“ am 23.03.2023

Auch heute, während den Internationalen Wochen gegen Rassismus, machen sich auch wieder hier am Rathausvorplatz Menschen aus Düren stark für Freiheit und Demokratie sowie gegen Hetze und Hass bemerkbar. Vielen Dank dafür!

Die Proteste gegen Rechtsextremismus und mögliche Pläne der AfD zur „Remigration“ gehen auch am deutschen Fußball nicht vorbei. Ein Trainer findet deutliche Worte: „Wer jetzt nicht aufsteht, der hat nichts verstanden. Es ist fünf vor zwölf“, sagte Christian Streich, Trainer des SC Freiburg kürzlich bei einer Pressekonferenz.

In Leipzig warnte auch Streichs Trainerkollege Marco Rose vor der politischen Entwicklung: „Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass man gegen Dummheit und Rechtsextremismus in jeder Form aufsteht“, sagte Rose, der aus Sachsen stammt, einem der Bundesländer, in denen die AfD sehr hohe Zustimmung genießt. „Ich finde es gut, dass die Leute das auch machen, dass sie klar Flagge zeigen und auf die Straße gehen.“

Die Aussagen Streichs und Roses sind nur zwei Beispiele von Vielen dafür, wie deutlich sich der Fußball  positioniert und dazu aufruft, im Wahljahr 2024 für demokratische Werte einzustehen. ,Auserdem werden in den ostdeutschen Bundesländern Sachsen, Thüringen und Brandenburg neue Landtage gewählt. Alle Umfragen deuten darauf hin, dass die AfD deutlich an Stimmen gewinnt. In Thüringen könnte sie am Ende mit Björn Höcke unter Umständen sogar den Ministerpräsidenten stellen. Höcke wird vom Verfassungsschutz, dem obersten Inlandsgeheimdienst Deutschlands, seit März 2020 als Rechtsextremist eingestuft.

Auch die Verbände, wie der DFB und die DFL, starten zur Zeit wichtige Aktionen gegen Rassismus, Gewalt und Antisemitismus.

Der DFB fordert die Fußballfamilie im ganzen Land auf, während der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ und darüber hinaus auch im Jahr der Europameisterschaft in Deutschlande ein starkes Zeichen gegen Rassismus setzen. Fotos von Mannschaften, Fans, Funktionären oder auch Einzelpersonen, die mit gekreuzten Händen das „Aus-X-en“ des Rassismus symbolisieren. Die Bilder können dann als Zeichen in den sozialen Netzwerken geteilt werden.

Der DFL (die Deutsche Fußballiga) setzten am im Rahmen der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ mit den 36 Proficlubs der Ersten und Zweiten Liga gemeinsam ein klares Statement gegen Rassismus und rassistische Diskriminierungen. Die Botschaft „Misch Dich ein!“  wird unter anderem in den Stadien aller Heimspielorte, bei Übertragungen von Medienpartnern und auf digitalen Kommunikationskanälen verbreitet.

Auch viele Vereine und Initiativen aus den Amateurligen setzen vermehrt wichtige Zeichen, wie z.B. durch Teilnahme an unseren Aktion „Fußballteams gegen Rechts“, bei der wir vor den Spielen mit den Schiedsrichtern, Mannschaften und unserem Banner gegen Rassismus und Gewalt ein sichtbares Zeichen dort machen, wo der Fußball stattfindet. Bisher haben über 1000 Mannschaften in ganz Deutschland teilgenommen. Zwei Schiedsrichter aus dem Kreis Düren setzen vor ihren Spielen immer dieses Zeichen und stellen fest, dass die nachfolgende Partie meist fair verläuft.

Auch die Aktion „4 Schrauben für Zivilcourage“, bei der wir allen Vereinen, auch Nicht-Fußballvereinen, ein kostenloses Schild mit der Aufschrift „Kein Platz für Rassismus und Gewalt“ zur Anbringung ans Vereinsgelände anbieten. Bisher haben über 1680 Vereine daran teilgenommen. Bei den Aktionen im Amateurbereich verlangen wir vom DFB mehr Unterstützung!

Stellt man sich einmal vor, die Pläne der Remigration würden irgendwann umgesetzt, hieße das am Beispiel des Fußballkreises Düren das mögliche Aus des Ligabetriebes, zumindest von großen Teilen. Aus den geschätzt 500 Mannschaften im Junioren- und Seniorenbereich würden nach Deportation der Spieler- und Spielerinnen mindestens geschätzt 300 Teams nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Chance von einer wertvollen Integration wäre vertan.

Jeder, der Fußball und anderen Sportarten besucht, nehme ich hiermit ausdrücklich in die Pflicht, die Zivilcourage zu besitzen, sich bei rassistischen und menschenfeindlichen Beleidigungen einzumischen! Stopp dem Rassismus, Stopp der Gewalt!

Aus meiner Sicht kann ich nur sagen: Durch meinen jetzt 23 Jahren andauernden friedlichen Kampf gegen Extremismus und Gewalt habe ich einiges erreichen können, hauptsächlich durch Zivilcourage!

Zu meiner jetzigen Aktion „Rathäuser gegen Rassismus“: Bisher haben sieben haben mich sieben Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in ihren Rathäuser empfangen, mein DIN A3-Schild gegen Rassismus in Empfang genommen und diese werden als Zeichen der jeweils beschlossenen Resolutionen gegen Rassismus an den Rathäusern angebracht. Einige andere Gemeinden und auch der Landrat haben Interesse und Bereitschaft signalisiert. Toll, das die Bürgermeister*innen in den Gesprächen noch weitere Ideen entwickeln!

Zum  Schluss noch das wichtigste: Geht unbedingt wählen und nur demokratisch! Nur so ist unsere Demokratie zu retten! Es ist 5 vor 12!

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„5 vor 12 – Zeit für Demokratie“ am 16.03.2023

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

mein Name ist Saffet Akkas. Ich möchte Sie herzlich begrüßen. Schön, dass Sie bei diesem schönen Wetter gekommen sind. Die Zeit, die Sie sich genommen haben, ist sehr wertvoll, vielen Dank.

Zum fünften Mal versammeln wir uns unter dem Motto „Fünf vor Zwölf“, um für Toleranz, Vielfalt und Demokratie einzustehen.

Heute nehmen wir den Internationalen Tag gegen Rassismus, der am kommenden Donnerstag stattfindet, zum Thema dieser Veranstaltung.

Viele Menschen denken, dass Menschenrechte im 21. Jahrhundert selbstverständlich sind. Doch der Alltag in unserem Land sieht anders aus:

Immer noch werden Menschen wegen ihrer Gesinnung, Herkunft, Behinderung, sexuellen Orientierung, Religion oder aufgrund von Zuschreibungen und Vorurteilen ausgegrenzt, beleidigt, diskriminiert oder sogar angegriffen. Meinungen und Haltungen, die die Menschenwürde verletzen, finden leider zunehmend Zuspruch.

Wohnungssuchende mit nicht Deutsch klingenden Namen haben geringere Chancen einen Mietangebot zu bekommen, Stellenbewerbungen nicht weißer Menschen werden weniger berücksichtigt. Menschen mit vermeintlichem Migrationshintergrund werden häufig nicht in Clubs gelassen und unterliegen verstärkt Polizeikontrollen.

Rechtsextreme schüren Rassismus und versuchen durch Hass und Hetze die Zivilgesellschaft zu spalten. Gegen Kritik verteidigen sie sich mit den Worten „das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ und wehren sich gegen Rassismuskritik gerne mit dem Vorwurf der Einschränkung ihrer Meinungsfreiheit.

Doch es gibt auch gute Nachrichten:

Laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums sind immerhin rund 70 Prozent der Bevölkerung bereit, sich gegen Rassismus zu engagieren – zum Beispiel, indem sie Geld spenden (37 Prozent), an Demonstrationen teilnehmen (42 Prozent), sich an Unterschriftensammlungen beteiligen (66 Prozent) oder bei rassistischen Aussagen intervenieren (82 Prozent). Besonders stark ausgeprägt ist das Engagement gegen Rassismus in den jüngeren Altersgruppen und bei Menschen mit höherer Bildung.

Es bleibt aber viel zu tun.

Wenn wir hier über Demokratie sprechen, müssen wir uns bewusst sein, dass sie für jeden Menschen gleichermaßen gilt. Wir möchten diese Gelegenheit nutzen, um die Aufmerksamkeit auf diejenigen zu lenken, die seit über 60 Jahren, über vier Generationen hinweg, in diesem Land, in dieser Stadt leben. Diese Menschen haben hier gearbeitet, Steuern gezahlt und haben den klaren Wunsch, weiterhin hier zu leben. Für viele, die als „Menschen mit Migrationshintergrund“ bezeichnet werden, gibt es kein anderes Zuhause – sie sind Bürgerinnen und Bürger Deutschlands.

Warum überhaupt muss der „Hintergrund“ bestimmter Menschen thematisiert oder sogar in den Vordergrund gestellt werden? – und das oft sogar noch, wenn bereits mehrere Generationen in diesem Land aufgewachsen sind. Wir sind doch alle zunächst einmal MENSCHEN und jeder von uns hat seinen ganz persönlichen Hintergrund und sollte selbst darüber entscheiden können, ob und was von seinem Hintergrund er oder sie für besonders erwähnenswert hält.

Denjenigen, die von „Remigration“ sprechen, müssen wir klipp und klar entgegentreten: Diese Begrifflichkeit ist nichts anderes als ein Schleier für rassistische Ansichten. Wir möchten nicht noch mal erleben was in Mölln, Rostock, Solingen, Hanau usw. geschehen ist. Das waren grausamer Morde!

Die Menschen, die hier leben verdienen Respekt und Anerkennung. Die Vielfalt, die sie mitbringen, ist keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung.

Lassen Sie uns heute gemeinsam gegen Rassismus angehen und zeigen, dass wir für eine offene, inklusive und diverse Gesellschaft stehen. Wir sind alle Teil dieser Gemeinschaft, unabhängig von unserer Herkunft. Unsere Vielfalt ist unsere Stärke, und gemeinsam können wir gegen jede Form von Ausgrenzung und Vorurteilen kämpfen.

Durch „Wegsehen“ oder „Weghören“ gefährden wir die Demokratie. Umso wichtiger, dass wir miteinander reden – offen und ehrlich – und deutlich Position beziehen, wenn uns im Alltag Rassismus begegnet.

Vielen Dank, dass Sie heute hier sind, um gemeinsam für eine bessere Zukunft einzustehen. Wir sind ein Bündnis für Toleranz, Menschlichkeit und Demokratie und wir werden nicht schweigen, solange unsere Werte in Gefahr sind.

Vielen Dank.

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Andisheh Karami bei der Veranstaltung am 09.März 2024

Andisheh Karami arbeiten aktuell mit einem Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung im Heinrich-Böll-Haus Langenbroich und las am 09. März 2024 bei der Veranstaltung „5 vor 12 – Zeit für Demokratie“ zwei ihrer Gedichte.

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„5 vor 12 – Zeit für Demokratie“ am 09.03.2023

Hallo liebe Verteidiger und Verteidigerinnen der Demokratie,

gestern war Weltfrauentag. Seit 1911 wird dieser Tag weltweit gewürdigt. In Deutschland gab es allerdings eine einschneidende Unterbrechung:

Obwohl noch vorbereitet, konnte der Internationale Frauentag 1933 in Deutschland nicht mehr stattfinden. Alles, was an sozialdemokratische, sozialistische, kommunistische oder auch nur liberale Haltungen in der deutschen Gesellschaft erinnerte, wurde durch die neuen Machthaber sofort abgeschafft. Den schon in der Weimarer Republik begangenen Muttertag nutzten die Nationalsozialisten, um ihre Idee von der arischen deutschen Mutter mit einem Feiertag abzusichern. Der Internationale Frauentag dagegen wurde sofort offiziell verboten.

Nach Ende des zweiten Weltkrieges waren es in der jungen Bundesrepublik gerade mal vier Frauen neben 61 Männern, die zum Parlamentarischen Rat gehörten, der ab 1948 das deutsche Grundgesetz erarbeite. Der Anteil entsprach dem damaligen Zeitgeist. Die Frauen hatten sich zwar während des Krieges um die Familien gekümmert und als „Trümmerfrauen“ das Land wieder in Schwung gebracht. Doch die Rückkehr der Männer brachte die alte Rollenverteilung zurück. Die Frauen hatten sich wieder einzugliedern in eine patriarchalische Gesellschaft, in der sie weder ein Bankkonto eröffnen noch einen Arbeitsvertrag unterzeichnen durften und in der das letzte Wort in Familienangelegenheiten stets der Ehemann hatte.

Umso wichtiger war das Engagement dieser vier Frauen, die einen historischen Satz in das am 23. Mai 1949 verkündete Grundgesetz brachten: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Sie haben damit nicht nur Geschichte geschrieben, sondern auch die Grundlage für weitere Reformen gelegt wie zum Beispiel die Reform des Ehe- und Familienrechts (1976), das Gesetz über die Gleichbehandlung am Arbeitsplatz (1980) und zuletzt 1994 die Erweiterung von Artikel 3 im Grundgesetz:

„Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

Großartig!

Doch trotz der rechtlichen Gleichstellung muss in Deutschland an der Gleichberechtigung im Alltag weiter gearbeitet werden. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen von Politik und Wirtschaft ist immer noch nicht gleich mit dem der Männer. Frauen haben im Durchschnitt immer noch ein um 18 Prozent geringeres Einkommen als Männer, unter anderem weil sie häufiger in schlechter bezahlten Branchen wie Pflege, Einzelhandel oder Erziehung beschäftigt sind. Auch im Bundestag sind derzeit nur 31 Prozent der Abgeordneten Frauen.

Den geringsten Frauenanteil gibt es bei der AfD. Wer sich mit deren Programm näher beschäftigt, stellt fest, dass nach ihren Vorstellungen die „einheimische“ Frau traditionell sein soll, viele Kinder bekommen und sich in Vollzeit um die Familie kümmern soll. Ein Ausbau der Kinderbetreuung ist nicht gewollt ist. Auf Tiktok bewirbt die der Neuen Rechten zugeordnete Influencerin Malischka ihren Alltag als traditionelle Hausfrau und findet tatsächlich damit 3,4 Millionen überwiegend junge „Follower*innen“. AfD-Europakandidat Maximilian Krah redet auf derselben Plattform davon, was „richtige Männlichkeit“ ausmacht und hält ganz offensichtlich die Gleichberechtigung für nicht erstrebenswert. Er fordert männliche Jugendliche auf, nicht „soft“ zu sein, um besser bei Frauen anzukommen.

Wir wollen nicht zusehen, wie sich in Teilen der Gesellschaft der Ruf nach der Rückkehr des Patriarchats ausbreitet.

Demokratie, auch unsere hier in Deutschland, kann viel besser funktionieren, wenn, ihre Parlamente so zusammengesetzt sind wie ihre Gesellschaft, bunt, vielschichtig und vielfältig. Der Frauenanteil sollte optimaler Weise dem in der Bevölkerung entsprechen. Doch besonders Frauen in der Politik sind zunehmend Häme und Bashing ausgesetzt. Heftig trifft es vor allem diejenigen, die nicht äußeren Idealen entsprechen, sich für Frauenthemen einsetzen oder denen Fehler unterlaufen. Diese Stimmung lädt nicht dazu ein, ein politisches Mandat zu übernehmen. Es bedarf aber genügend Frauen und Männer in unseren Räten und Parlamenten, um zu erreichen, dass es auch faktisch Gleichberechtigung gibt und jede*r, die Rolle einnehmen kann, die seinen/ihren Eignungen, Wünschen und Bedürfnissen entspricht.

Wir haben den Internationalen Frauentag zum Thema unserer heutigen Veranstaltung gewählt, um für ein demokratisches und sozial gerechtes Deutschland zu werben.

Wir setzen uns ein für die gleichberechtigte Teilhabe beider Geschlechter an der Erwerbs- und Sorgearbeit aber auch an politischen Entscheidungen.

Bitte helfen Sie uns dabei, werben Sie mit uns dafür.
Gehen Sie am 9. Juni wählen, wählen Sie eine demokratische Partei!

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5 vor 12 – Zeit für Demokratie

Bericht über unsere Veranstaltung am 24.02.2024

Wo waren Sie, was machten Sie gerade am 24.02.2022 als Sie vom russischen Angriff auf die Ukraine erfuhren?

Diese Frage stellten sich die ca. 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich zur Versammlung „5 vor 12 – Zeit für Demokratie“ vor dem Dürener Rathaus eingefunden hatten.

Sicher können viele sich noch an den 24.02.2022 erinnern, zu erschütternd war die Nachricht.

Und auch heute, nach zwei Jahren, ist kein Ende dieses schrecklichen Krieges in Europa abzusehen.

Wir gedachten der Opfer in beiden Ländern und der mutigen Menschen, die sich in Russland noch trauen, ihre Meinung zu sagen, Kritik zu üben, dabei immer in der Gefahr, ihre Freiheit, vielleicht sogar ihr Leben zu riskieren.

Umso wichtiger ist es, hier in Deutschland weiterhin für die Demokratie einzustehen, in der offene Meinungsäußerung und Kritik verfassungsrechtlich garantiert sind, in der wir frei wählen können und gewählt werden können. Diese für uns so selbstverständlichen Möglichkeiten gilt es zu verteidigen gegen rechtsextreme, demokratiefeindliche Parteien.

Die Versammlung wurde mit dem Lied „Es ist an der Zeit“ von Hannes Wader eröffnet, zum Schluss hörten wir ein Lied der russischen Protestband „Pornofilme“.

Das Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt lädt herzlich für Samstag, den 02.03.2024 zum nächsten Treffen „5 vor 12 – Zeit für Demokratie“ ein.

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„5 vor 12 – Zeit für Demokratie“

Kundgebung am Samstag, den 17.02.2024

Unter dem Motto „5 vor 12 – Zeit für Demokratie“ fand heute die erfolgreiche Auftaktveranstaltung vor dem Rathaus in Düren an der Bank gegen Ausgrenzung statt.

Ungefähr drei- bis vierhundert Teilnehmer*innen hatten sich versammelt und lauschten nach dem musikalischen Beginn von Lukas Pazzini mit seinem Saxophon und der Begrüßung durch Gunter Derichs vom Sprecherkreis gespannt und gerührt, als Lukas Pazzini einige Passagen aus dem Buch „Der Tag, an dem ich sterben sollte“ von Said Etris Hashemi vortrug. Hashemi ist ein Opfer und Überlebender des Anschlags vom 19.02.2020 in Hanau, bei dem 9 Menschen von einem rassistischen Deutschen ermordet wurden.

Die Veranstaltung endete nach einem kurzen Beitrag von Gunter Derichs zum erfolgreichen Protest gegen Angebot und Verkauf der rechtsradikalen Zeitung „Compakt“ in deutschen Bahnhofsbuchhandlungen mit einem musikalischen Abschluss von Lukas Pazzini.

Vorläufig sind solche ungefähr fünfzehnminütigen Kundgebungen mit wechselnden kurzen Beiträgen, Texten und Musik jeden Samstag um 11.55 h an derselben Stelle geplant. Denn wir wollen nicht nachlassen mit unserem Protest gegen die unmenschlichen und verfassungsfeindlichen Pläne der AfD und einstehen für eine demokratische, bunte Republik.

Gern können interessierte Gruppen und Einzelpersonen, die Ideen, Anregungen oder Textbeiträge haben, sich über die Mail sprecherkreis@duerener-buendnis.de bei uns melden.

Vielen Dank und bis nächsten Samstag

Ihr Sprecherkreis

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Rede von Bettina Döring vom Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt bei der Kundgebung „Demokratie verteidigen – Düren gegen Rechts“ am 27.01.2024

Hallo liebe Demokratinnen, hallo liebe Demokraten,

ich bin Bettina Döring vom Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt und begrüße Sie alle ganz herzlich.

Wie gut, dass wir heute hier sind, um ein Zeichen zu setzen.

Denn hoffentlich sind wir jetzt aufgewacht und stehen zusammen gegen Faschisten, Neonazis, rechtsextreme Gruppen, gegen die AfD.

Die offizielle Zahl der in Deutschland durch Rechtsextreme ermordeten Personen lag Ende 2022 bei mindestens 311. Seit statistischer Erfassung Anfang der 1990er Jahre also mindestens 311 ermordete Menschen, die vermutete Dunkelziffer ist erheblich höher.

Rechtsextreme geistige Brandstifter tragen eine Mitschuld, wie z.B. der Faschist Björn Höcke von der AfD. In seinem Buch „Nie zweimal in denselben Fluss“ von 2018 formuliert er klar und deutlich seine rassistischen Vorstellungen und Pläne für die Zeit nach der Wahl der AfD , bei ihm „die erhoffte Wendephase“ genannt: es geht um die „Säuberung Deutschlands“ durch Ausweisung, Vertreibung, sogenannte „Remigration“ aller sogenannten „kulturfremden“ Menschen in Deutschland. Ebenso sollen alle Deutschen, die den politischen Zielen der AfD nicht zustimmen, aus Deutschland ausgeschlossen werden. Er und die AfD wollen also Millionen Bürger und Bürgerinnen aus dem Land verbannen, und hierbei sieht Höcke von ihm sogenannte „wohltemperierte Grausamkeit“ als adäquates Mittel zur Durchsetzung dieser Pläne an. Unglaublich!

Das erinnert mich an die Zeilen von Martin Niemöller:

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler.

Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.

Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

Deshalb schweigen wir heute nicht, heute rufen wir hier in Düren „Nein“.

„Nein“ zu diesen menschenverachtenden mörderischen Phantasien und Plänen.

Wir stehen hier für uns und unsere Familie, unsere Freundinnen und Freunde, für unsere Kolleginnen und Kollegen, für unsere Nachbarinnen und Nachbarn, für alle in dieser bunten Republik.

Denn die AfD war, ist und bleibt gefährlich.

Die AfD war, ist und bleibt undemokratisch, frauenfeindlich, rassistisch, antisemitisch, Gewalt verherrlichend und gewalttätig.

Niemand kann jetzt mehr sagen: „Ich habe das alles nicht gewusst“

Wer die AfD wählt, macht sich mitschuldig an Intoleranz, Ausgrenzung, Vertreibung und Mord.

Wer die Rechtsextremisten wählt – egal aus welchem Grund -, macht sich mit ihnen gemein und ist ein Faschist.

Deshalb ist es ganz wichtig, dass wir alle zu den nächsten Wahlen gehen und demokratische Parteien wählen! Unbedingt!.

Die nächste Wahl ist im Juni die Europawahl.

Denn wir wollen nicht mehr schweigen, sondern einstehen für ein friedliches Miteinander, für Freiheit und Toleranz, für Meinungsfreiheit, Demokratie und Vielfältigkeit .

Dafür einstehen hier und jetzt, zu Hause, in den Schulen, bei der Arbeit, am Stammtisch, bei Sportveranstaltungen, überall.

Einstehen für eine demokratische Gesellschaft, in der jeder Mensch gleiche Rechte hat, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Status, und Religion.

Vielen Dank, und bis bald.

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Demo gegen Rechts in Düren am 27.01.2924

Rund 5.000 Menschen nahmen an diesem schönen sonnigen Samstag teil, um gegen die rechtsextreme Gefahr für unsere Demokratie zu demonstrieren.

Mit Musik und emotionalen Reden wurde diese Veranstaltung zu einem Fest, bei dem die Freiheit, die wir in einer Demokratie haben, gefeiert wurde.

In einer Demokratie hat man die Freiheit seine Meinung zu äußern, solange man niemanden Schaden zu fügt.

In einer Demokratie darf man lieben, wen man will.

In einer Demokratie sind alle Menschen gleich.

In einer Demokratie darf jeder Bürger politisch mitbestimmen, indem er wählt oder / und sich politisch beteiligt.

WIR haben gesehen, dass JEDER etwas bewirken kann, indem er aufsteht und für unsere Freiheit einsteht.

WIR sind verantwortlich dafür, dass die Demokratie bleibt und nicht von rechts abgeschafft wird.

HEUTE gehen wir für UNS, UNSERE KINDER, UNSERE FREUNDE, NACHBARN UND VERWANDTEN auf die Straße.

Lasst uns MORGEN bei den nächsten Wahlen zeigen, dass wir die Demokratie erhalten wollen und unser Kreuz bei den demokratischen Parteien machen. Dann haben fie Feinde unserer Demokratie keine Chance.

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